Ihr Themavom 28.10 – 07.12.2018

Ausschreitungen in Caracas: Demonstrant erschossen

nachrichten.de (dpa) | 19.04.2017 | 21:30

Bei einer Massendemonstration gegen eine drohende Diktatur in Venezuela ist es in der Hauptstadt Caracas zu schweren Ausschreitungen mit mindestens einem Toten gekommen. Ein Demonstrant wurde von einem Schuss in den Kopf getroffen und kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. Dort starb der 17-Jährige, der Wirtschaftswissenschaften in Caracas studierte. Die Opposition machte Motorrad-Milizen der Sozialisten für den Angriff verantwortlich. Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Präsident Nicolás Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise in dem Land mit den größten Ölreserven verantwortlich. Auslöser der seit Anfang April andauernden Proteste war die zeitweise Entmachtung des Parlaments. Die Polizei setzte in Caracas massiv Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben - über der Route lagen Tränengaswolken. Seit Ausbruch der Unruhen Anfang April kamen sieben Menschen ums Leben. Schlägerbanden auf Motorrädern versuchen immer wieder, die Aufmärsche der Opposition zu stören und scheuen nicht vor dem Einsatz von Schusswaffen zurück. Präsident Maduro will als Antwort auf die angespannte Lage alle 500 000 Mitglieder der Nationalen Miliz mit Gewehren ausrüsten. Die Reservistentruppe war nach dem Putschversuch 2002 gegen den damaligen Staatschef Hugo Chávez aufgestellt worden. Oppositionsführer Henrique Capriles sagte, dass Land brauche nicht mehr Waffen, sondern Lebensmittel und Medikamente. Viele Zufahrtsstraßen nach Caracas und Metrostationen waren geschlossen, um eine Anreise zu der Oppositions-Demonstration zu erschweren. Bei einer Gegendemonstration marschierten Zehntausende Anhänger der Sozialisten. Maduro, Nachfolger des 2013 gestorbenen Chávez, war am Mittwoch exakt vier Jahre im Amt. Die Opposition nannte den Marsch am Mittwoch die «Mutter aller Demonstrationen». Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt hatten zuletzt tausende Menschen das Land verlassen und flüchteten vor allem in das Nachbarland Brasilien. Im Parlament hat das Oppositionsbündnis «Mesa de la Unidad Democrática» aus konservativen, Liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien zwar eine deutliche Mehrheit, ist aber de facto politisch wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte Oberste Gerichtshof hob immer wieder Parlamentsentscheidungen auf - und Maduro versucht, mit Notstandsdekreten am Parlament vorbeizuregieren. Einer der Anführer der Opposition, Leopoldo López, sitzt eine fast 14-jährige Haftstrafe ab. US-Präsident Donald Trump forderte zuletzt seine sofortige Freilassung. López wurde verurteilt, weil bei regierungskritischen Demonstrationen, zu denen López aufgerufen hatte, 2014 über 40 Menschen gestorben waren. Das Land steht nach 17 Jahren sozialistischer Regierung vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb und wegen der hohen Inflation können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung 2017 um 7,4 Prozent schrumpft. Die Inflationsrate könnte bei 720 Prozent liegen. Für das kommende Jahr rechnet der IWF sogar mit einer Teuerungsrate von rund 2000 Prozent. Dadurch wird es für die Bürger immer schwieriger, an bezahlbare Lebensmittel zu kommen. Gewalt und Repression haben stark zugenommen.

Artikel über die Zeit
Weitere Artikel zu diesem Thema

Hunderte Liter Diesel ausgelaufen

➚ stuttgarter-nachrichten.de | 07.12.2018 | 10:20
In Urbach (Rems-Murr-Kreis) hat sich am Freitagmorgen ein Laster den Tank aufgerissen. Laut der Polizei sind mehrere hundert Liter Dieseltreibstoff ausgelaufen.


Eskalation in Caracas: Zwölf Tote nach Unruhen

➚ nachrichten.de | 21.04.2017 | 21:04
Der Machtkampf in Venezuela fordert immer mehr Opfer: Bei nächtlichen Unruhen und Plünderungen sind in der Hauptstadt Caracas zwölf Menschen getötet worden. Das bestätigte die Generalstaatsanwalt. Sechs Menschen seien verletzt worden. Besonders im Viertel El Valle kam es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, Demonstranten legten Feuer, es bot sich ein Bild der Verwüstung. Die meisten Opfer sollen durch Stromschläge getötet worden sei, als sie in einer Bäckerei einen Kühlschrank stehlen wollten, andere starben durch Schüsse. Ein Kinderkrankenhaus musste wegen des massiven Einsatzes von Tränengas evakuiert werden. Zuvor waren bei den Protesten bereits neun Menschen gestorben. Seit der zeitweisen Entmachtung des Parlaments erlebt das Land mit den größten Ölreserven die heftigste Protestwelle seit 2014 - damals starben 43 Menschen. Die Demonstranten fordern Neuwahlen und die Absetzung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro, dem sie die Vorbereitung einer Diktatur vorwerfen. Er hatte angekündigt, ...


Elf Tote bei nächtlichen Unruhen

➚ tagesschau.de | 21.04.2017 | 19:52
Bei nächtlichen Unruhen in Venezuela sind mindestens elf Menschen getötet worden. Damit stieg laut Staatsanwaltschaft die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Protestwelle gegen Präsident Maduro vor ...


Appell an Venezuelas Militär: «Nicht mit Titanic untergehen»

➚ nachrichten.de | 21.04.2017 | 16:58
Im blutigen Machtkampf in Venezuela hat die Opposition das Militär zum Bruch mit dem sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro aufgerufen. «Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter», sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Der Vizepräsident des Parlaments kündigte für Montag neue Massenproteste im Land mit den größten Ölreserven an, das nach Jahren des Niedergangs vor dem Ruin steht. Demonstranten nannten Maduro einen «Mörder», weil er Soldaten und Milizen zum rücksichtlosen Vorgehen aufrufe. Bisher starben bei den Protesten neun Menschen, es gab rund 1000 Festnahmen. Angesichts dramatischer Szenen in Caracas fordert auch die internationale Gemeinschaft von Maduro ein Zurückziehen der brutal agierenden Milizen. Bilder zeigten, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Es gab brennende Straßenbarrikaden, Molotowcocktails flogen ...


Venezuela am Abgrund

➚ rp-online.de | 21.04.2017 | 10:17
Venezuela ist das Land mit den größten Ölreserven der Welt, aber an den Tankstellen gibt es kein Benzin mehr. Und nicht nur das: Es mangelt an allem, an Lebensmitteln, an Medikamenten, sogar an ...


Erneut Ausschreitungen bei Protesten

➚ rp-online.de | 21.04.2017 | 07:35
Bei Demonstrationen gegen Venezuelas sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro hat es erneut gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften gegeben. Die Opposition ...


Dramatische Szenen in Caracas - «Demokratie tödlich verletzt»

➚ nachrichten.de | 21.04.2017 | 04:55
Angesichts dramatischer Szenen in Venezuela fordert die internationale Gemeinschaft von Präsident Nicolás Maduro ein Zurückziehen der brutal agierenden Milizen. Im Internet kursierende Bilder zeigten, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro sagte, die Demokratie in Venezuela sei «tödlich verletzt». Auch gestern demonstrierten Hunderttausende für Neuwahlen.


Proteste vor der Kirchentür

➚ tagesschau.de | 21.04.2017 | 04:07
Erneut ist es in Venezuela zu Gewalt bei friedlichen Protesten gekommen - die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. In Caracas erlebt ein deutscher Pfarrer die Ausschreitungen und befürchtet weitere Eskalationen.

Zu Seite: